Presseerklärungen zu Röhms Amtsenthebung und Verhaftung

 

München, den 30. Juni 1934

 

Ich habe mit dem heutigen Tag den Stabschef Röhm seiner Stellung enthoben und aus der Partei und SA ausgestoßen. Ich ernenne zum Chef des Stabes Obergruppenführer Lutze. SA-Führer und SA-Männer, die seinen Befehlen nicht nachkommen oder zuwiderhandeln, werden aus SA und Partei entfernt oder sofort verhaftet und abgeurteilt.

 

Adolf Hitler, Oberster Partei- und SA-Führer


 

Seit vielen Monaten wurde von einzelnen Elementen versucht, zwischen SA und Partei sowohl wie zwischen SA und Staat Keile zu treiben und Gegensätze zu erzeugen. Der Verdacht, daß diese Versuche einer beschränkten, bestimmt eingestellten Clique zuzuschreiben sind, wurde mehr und mehr bestätigt. Stabschef Röhm, der vom Führer mit seltenem Vertrauen ausgestattet worden war, trat diesen Erscheinungen nicht nur nicht entgegen, sondern förderte sie unzweifelhaft. Seine bekannte unglückliche Veranlagung führte allmählich zu so unerträglichen Belastungen, daß der Führer der Bewegung und Oberste Führer der SA selbst in schwerste Gewissenskonflikte getrieben wurde.

 

Stabschef Röhm trat ohne Wissen des Führers mit General Schleicher in Beziehungen. Er bediente sich dabei neben einem anderen SA-Führer einer von Adolf Hitler schärfstens abgelehnten, in Berlin bekannten obskuren Persönlichkeit - Da diese Verhandlungen endlich - natürlich ebenfalls ohne Wissen des Führers - zu einer auswärtigen Macht bzw. deren Vertretung sich hin erstreckten, war sowohl vom Standpunkt der Partei wie auch vom Standpunkt des Staates ein Einschreiten nicht mehr zu umgehen.

 

Planmäßig provozierte Zwischenfälle führten dazu, daß der Führer heute nacht um 2 Uhr nach Besichtigung von Arbeitslagern in Westfalen von Bonn aus im Flugzeug nach München flog, um die sofortige Absetzung und Verhaftung der am schwersten belasteten Führer anzuordnen. Der Führer begab sich mit wenigen Begleitern persönlich nach Wiessee, um dort jeden Versuch eines Widerstandes im Keime zu ersticken. Die Durchführung der Verhaftung zeigte moralisch so traurige Bilder, daß Jede Spur von Mitleid schwinden mußte. Einige SA-Führer hatten sich Lustknaben mitgenommen. Einer wurde in der ekelhaftesten Situation aufgeschreckt und verhaftet.

 

Der Führer gab den Befehl zur rücksichtslosen Aufräumung dieser Pestbeule. Er will in Zukunft nicht mehr dulden, daß Millionen anständiger Menschen durch einzelne krankhaft veranlagte Personen belastet und kompromittiert werden. Der Führer gab dem preußischen Ministerpräsidenten Göring den Befehl, in Berlin eine ähnliche Aktion durchzuführen und dort insbesondere die reaktionären Verbündeten dieses politischen Komplotts auszuheben.

 

Mittags 12.00 Uhr hielt der Führer vor den in München zusammengekommenen höheren SA-Führern eine Ansprache, in der er seine unerschütterliche Verbundenheit mit der SA. betonte, zugleich jedoch den Entschluß verkündete, disziplinlose und ungehorsame Subjekte sowie asoziale oder krankhafte Elemente von jetzt ab unbarmherzig auszurotten und zu vernichten. Er wies darauf hin, daß der Dienst in der SA. Ehrendienst sei, für den zehntausend bravster SA-Männer die schwersten Opfer gebracht hätten. Er erwarte von dem Führer jeder SA-Einheit, daß er sich dieser Opfer selber würdig erweise und in seinem Verbände als Vorbild lebe. Er wies weiter darauf hin, daß er jahrelang Stabschef Röhm vor schwersten Angriffen gedeckt habe, daß aber die letzte Entwicklung ihn zwinge, über jedes persönliche Empfinden das Wohl der Bewegung und damit das des Staates zu stellen, daß er vor allem jeden Versuch, in lächerlichen Zirkeln ehrgeiziger Naturen eine neue Umwälzung zu propagieren, im Keime ersticken und ausrotten wird.
 

 

Berlin, 30. Juni.

 

In den letzten Wochen wurde festgestellt, daß der frühere Reichswehrminister General a. D. von Schleicher mit den staatsfeindlichen Kreisen der SA-Führung und mit auswärtigen Mächten staatsgefährdende Verbindungen unterhalten hat. Damit war bewiesen, daß er sich in Worten und Wirken gegen diesen Staat und seine Führung betätigt hat.

 

Diese Tatsache machte seine Verhaftung im Zusammenhang mit der gesamten Säuberungsaktion notwendig. Bei der Verhaftung durch Kriminalbeamte widersetzte sich General a. D. von Schleicher mit der Waffe. Durch den dabei erfolgten Schußwechsel wurden er und seine dazwischentretende Frau tödlich verletzt.